Absichten

„Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist desto gewisser, was wir gegenwärtig zu vollbringen haben, ich meine die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, daß die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebenso wenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten.“

(Marx an Ruge, MEW 1, 344)

„Im Übrigen fängt Kritik nicht damit an, daß sie an sich die kritische Frage stellt, ob sie weitergeht, praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, daß man sich Rechenschaft ablegt darüber, woher all das kommt, was man als Belästigung und Schaden wahrnimmt. Wer auf das bißchen Ursachenforschung verzichtet, vertut sich garantiert im Engagement, sucht sich Ort, Zeit und Adressat wie Gegner seiner Bemühungen verkehrt aus. Dann vergeht seine Jugend, und er war freitags für die Klima-Zukunft unterwegs, hat sich in Lichterketten eingereiht, für Greenpeace gespendet, hat sein Gewissen auf Friedensdemos beruhigt und Grüne oder die Linke gewählt, während die Klassengesellschaft funktioniert, daß es nur so kracht.“

In Anlehnung an: Die Klassen (II), MSZ 11-1986

„Er ist das Einfache, das schwer zu machen ist.“

Bertolt Brecht, Lob des Kommunismus

Eine wesentliche Absicht dieser Webseite ist es zum einen, die wissenschaftskritischen Texte von Siegfried Malzahn einer interessierten Internet-Öffentlichkeit erstmalig vorzustellen. Es lohnt sich, diese zu studieren, weil das, was in den geistes-sozial-und kulturwissenschaftlichen Fächern unserer angeblichen Wissensgesellschaft als Wissenschaft auftritt, deren genaues Gegenteil ist: Unwissenschaftliche Gegenaufklärung, die die durchgesetzten politisch-ökonomischen Verhältnisse rechtfertigt. Dabei ist der Autor darauf gefasst, was seine Kritik an Differenzdenkern (Luhmann, Derrida etc.), radikalen Konstruktivisten und Systemtheoretikern für seine Gegenkritiker bestenfalls sein dürfte: Der theoretische Ausdruck einer querulatorischen, zynisch-paranoiden, völlig rückständigen und abgewirtschafteten Vernunft. Mit anderen Worten: Linksradikale Ideologie.

Wie der Titel der Webseite bereits programmatisch anzeigt, besteht ihre Absicht zum anderen darin, das seit über 50 Jahren erarbeitete Wissen zur Kritik der herrschenden Wissenschaft anhand ausgewählter Inhalte komprimiert zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört: beispielsweise das Hegel-Papier, das vom Betreiber dieser Seite gründlich durchgesehen und dort, wo erforderlich, lektoriert wurde; selbstverständlich die Staatsableitung; oder Texte, die sich mit dem Wertbegriff von Marx abschließend befassen, stehen nun gebündelt an einem Ort; usw. usf.

Die Seite versammelt also ein Angebot richtiger marxistischer Theorie; insofern ist sie unzweifelhaft dogmatisch in ihrer bescheidenen Absicht, mit dazu beizutragen, dem gesellschaftlich überall durchgesetzten Irrationalismus und seinem Verwalter ein möglichst schnelles Ende zu bereiten. Wenn das geschafft ist, wird auch Brechts Text von der „Resolution der Kommunarden“ obsolet sein. Bis dahin aber … – ist die Alternative, die der Text benennt, unerbittlich.

Die ausgewählten Artikel und Videos, bekannte und unbekanntere, befassen sich in kritischer Absicht mit ausgesuchten Gegenständen des ideologischen Überbaus, die für Besucher der Seite interessant sein mögen, um sich daran zu bilden und zu schulen. Viele der Texte und Videos von Vorträgen lassen sich an anderer Stelle im Internet finden; der zweckgerichtete epigonale Charakter wird nicht verleugnet. Dieses Kompendium korrekter wissenschaftlicher Literatur hat keineswegs den (überflüssigen) Anspruch, die marxistische Bibliothek in Gänze zu repräsentieren, wie sie im systematischen Katalog der Zeitschrift „Gegenstandpunkt“ existiert und fortgeführt wird, sondern will einige wichtige Abteilungen derselben abbilden – und lädt damit zum genauen Studium dieser Texte und audiovisuellen Beiträge zur Kritik bürgerlicher Wissenschaft ein.

Historisch Abgelegtes, Exotisches und Putziges kommt nebenbei auch vor, ein wenig. Der Betreiber wollte sich solche Ausflüge und kleine Sentimentalitäten leisten – ohne den Grundgedanken der Webseite zu desavouieren.

Wer eigene Texte und Videos beisteuern möchte, die in dieses Vorhaben und seine Systematik passen, soll sich beim Betreiber der Seite gerne melden. Langfristig ist durchaus an die Bekanntmachung auch eigener und fremder Beiträge gedacht, die dem Dafürsein – auf allen Ebenen des bürgerlichen Lebens – entgegentreten.